Joomla und Typo3: Welche Update-Optionen haben Sie?
Joomla 3 wurde im August 2023 abgekündigt. Typo3 8, 9 und 10 erhalten keine Updates mehr. Wenn Sie eines dieser Systeme noch einsetzen, brauchen Sie einen Plan. Dieser Artikel zeigt die drei realistischen Optionen – Update, Migration oder Neubau – mit Aufwand, Risiken und ehrlicher Einschätzung. Ohne Marketing-Geschwätz.
Wo wir heute stehen
Joomla: Aktuelle Version ist Joomla 5 (Stand 2026). Joomla 3 wurde im August 2023 abgekündigt. Joomla 4 läuft bis 2024 mit reduziertem Support.
Typo3: Aktuelle LTS-Version ist Typo3 13 (Stand 2026). Typo3 8 und älter sind komplett tot. Typo3 9, 10, 11 haben kein offizielles Support mehr. Typo3 12 läuft bis Ende 2025 mit Standard-Support.
Wer mit alten Versionen unterwegs ist, hat dieselben Probleme wie bei jeder veralteten Software: Sicherheitslücken, fehlende Updates, sterbende Extensions, schwindendes Know-how.
Option 1: Direktes Update
Direkter Sprung auf die aktuelle Version. Klingt einfach, ist es selten.
Bei Joomla
Joomla 3 zu 5 ist kein einfaches Klick-Update. Es ist eine Migration. Die Datenbank-Struktur hat sich geändert. Viele Extensions sind nicht kompatibel. Templates müssen oft neu gebaut werden.
Aufwand für eine typische Webseite mit zehn Extensions: 3–6 Wochen. Kosten: 6.000 – 15.000 Euro.
Bei komplexen Seiten mit eigenen Erweiterungen und Multi-Site-Setup: deutlich mehr.
Bei Typo3
Der Sprung von Typo3 8 auf 13 ist eine Reise durch fünf Major-Versionen. Jede einzelne hat eigene Migrationsschritte. Realistisch ist nur ein stufenweises Upgrade: 8 → 9 → 10 → 11 → 12 → 13.
Jede Stufe braucht Tests. Jede Stufe kann Extensions brechen. Aufwand für eine mittelgroße Webseite: 6–12 Wochen. Kosten: 12.000 – 40.000 Euro.
Bei Webseiten mit vielen eigenen Extensions oder TYPO3 Flow / Neos: noch mehr.
Wann diese Option sinnvoll ist
- Wenn die Inhalte erhalten bleiben sollen
- Wenn das aktuelle Design weitgehend passt
- Wenn die Extensions noch gepflegt werden oder Ersatz existiert
- Wenn die Webseite nicht grundlegend überarbeitet werden soll
Option 2: Migration auf anderes CMS
Manchmal ist der Sprung in ein anderes System sinnvoller als das Update.
Gängige Ziele
Wordpress. Riesiges Ökosystem, viele Entwickler, einfache Pflege. Aber: weniger Enterprise-Features, oft sicherheitsanfällig durch Plugins.
Statische Seitengeneratoren. Hugo, Eleventy, Astro. Schnell, sicher, billig im Hosting. Aber: keine Redaktion im Browser, eingeschränkte Funktionen.
Modernes Headless-CMS. Strapi, Directus, Storyblok, Sanity. Trennt Inhalte von Darstellung. Mehr Flexibilität, höhere Komplexität.
Bleiben in der Familie. Von Joomla zu Typo3 oder umgekehrt? Selten sinnvoll. Beide haben ähnliche Probleme bei alten Versionen.
Aufwand
Eine Migration auf ein anderes CMS ist immer ein Neubau, kombiniert mit Datenmigration. Aufwand für mittelgroße Webseiten: 8–16 Wochen. Kosten: 15.000 – 60.000 Euro.
Wann diese Option sinnvoll ist
- Wenn das aktuelle Framework ohnehin nicht mehr passt
- Wenn neue Funktionen geplant sind, die im alten System schwer umsetzbar wären
- Wenn die Pflege durch interne Mitarbeiter erfolgen soll
- Wenn das Hosting deutlich günstiger werden soll
Option 3: Kompletter Neubau
Manchmal ist die alte Webseite nicht zu retten. Oder soll nicht gerettet werden.
Gründe für einen Neubau
- Design ist hoffnungslos veraltet
- Struktur passt nicht mehr zur Geschäftsstrategie
- Inhalte sind weitgehend veraltet und müssen ohnehin überarbeitet werden
- Performance und Mobile-Tauglichkeit sind katastrophal
- Mehr Funktionen geplant als bestehen bleiben
Aufwand
Kompletter Neubau einer mittelgroßen Webseite: 12–24 Wochen. Kosten: 20.000 – 80.000 Euro. Komplexere Anforderungen (Mehrsprachigkeit, Shop, Mitgliederbereich) entsprechend höher.
Was Sie verlieren können
Vorsicht: Beim Neubau geht oft Wissen verloren. SEO-Rankings, eingewachsene Strukturen, Sonderfälle aus jahrelanger Pflege. Dieser Verlust wird unterschätzt.
Auch die Inhalte müssen migriert werden. Das ist Handarbeit, kein Automatismus.
Vergleichstabelle: Welche Option passt?
| Faktor | Update | Migration | Neubau |
|---|---|---|---|
| Kosten | Niedrig bis mittel | Mittel | Mittel bis hoch |
| Aufwand | 3–12 Wochen | 8–16 Wochen | 12–24 Wochen |
| Risiko | Mittel | Hoch | Mittel |
| Erhaltung von SEO | Hoch | Mittel | Niedrig |
| Erhaltung von Funktionen | Hoch | Mittel | Anpassbar |
| Modernisierung | Begrenzt | Mittel | Hoch |
Was viele unterschätzen
Extensions sterben
In Joomla und Typo3 lebt fast jede Webseite von Extensions. Beim Update zeigt sich: Einige werden nicht mehr gepflegt. Ersatz fehlt oder kostet eigene Entwicklung.
Praktischer Tipp: Vor dem Update jede Extension prüfen. Bei jeder einzelnen die Frage stellen: Brauche ich das wirklich? Oft kann das System abgespeckt werden.
Templates sind das Risiko
Eigene Templates oder Themes überstehen Major-Updates selten unverändert. Joomla-Templates aus 2018 funktionieren in Joomla 5 in der Regel nicht. Typo3-Sites mit TypoScript-only-Templates haben es einfacher, Fluid-basierte schwieriger.
Beim Aufwand immer einrechnen: Template-Anpassung oder -Neubau.
Inhalte sind oft das Problem
Nicht der Code, die Inhalte sind die teuerste Migration. Bilder, Dokumente, Strukturen, Verlinkungen, Meta-Daten. Bei großen Seiten kann allein die Inhaltspflege Wochen kosten.
Redirects nicht vergessen
Bei Migration und Neubau ändern sich URLs. Ohne saubere Weiterleitungen verlieren Sie SEO und Bestandskunden. Plan für Redirects ist Pflicht, nicht Kür.
Realistischer Fahrplan
Schritt 1: Bestandsaufnahme (1–2 Wochen). Welche Version, welche Extensions, welche Templates, welche Inhalte? Wie viel Traffic, welche wichtigen Funktionen?
Schritt 2: Entscheidung (1–2 Wochen). Welche der drei Optionen passt? Im Zweifel ein erfahrener externer Blick. Wir empfehlen oft Option 1, manchmal Option 3 – fast nie Option 2 ohne klare Gründe.
Schritt 3: Planung (2–4 Wochen). Detailplan mit Aufwand, Zeit, Risiken, Tests. Klare Annahmen, klarer Vertrag.
Schritt 4: Umsetzung (variabel). Schrittweise, mit Zwischen-Reviews und Tests.
Schritt 5: Go-Live und Stabilisierung. Sorgfältig geplanter Übergang, intensive Beobachtung in den ersten Wochen.
Mehr zur strukturierten Modernisierung finden Sie auf der Leistungsseite.
Was Sie sofort tun sollten
Wenn Sie eine alte Joomla- oder Typo3-Installation haben, prüfen Sie heute:
- Welche Version genau läuft? Im Admin-Bereich nachsehen.
- Wann gab es das letzte Update? Bei Sicherheitsupdates: alarmierend, wenn länger als drei Monate her.
- Welche Extensions sind installiert? Liste aller Erweiterungen mit Version.
- Wer kann das System pflegen? Wenn niemand: dringend Hilfe holen.
- Wann ist der Hosting-Vertrag fällig? Manche Hoster zwingen zu Upgrades.
Mit diesen Antworten haben Sie die Basis für eine sinnvolle Entscheidung.
Fazit
Joomla 3 und alte Typo3-Versionen sind überfällige Baustellen. Jede der drei Optionen – Update, Migration, Neubau – hat ihre Berechtigung. Die richtige Wahl hängt von Ihrer Situation ab. Pauschalantworten gibt es nicht. Aber die Frage stellen müssen Sie. Heute, nicht morgen.
FAQ
Wie lange läuft Joomla 5?
Joomla 5 ist eine STS-Version mit kürzerem Support. Joomla 6 ist die nächste LTS und kommt 2027. Wer auf Stabilität setzt, plant entsprechend.
Lohnt sich der Wechsel von Joomla zu Typo3 oder umgekehrt?
Selten. Beide Systeme haben ihre Stärken, aber ähnliche Update-Probleme. Wenn schon Wechsel, dann grundsätzlicher in ein System, das zum Use Case passt.
Was kostet ein Joomla- oder Typo3-Hosting?
Standard-Hosting: 5–20 Euro im Monat. Verwaltetes Hosting mit Updates und Support: 50–300 Euro. Bei kritischen Seiten lohnt sich verwaltetes Hosting fast immer.
Kann ich mein altes Template behalten?
Bei kleinen Versionssprüngen oft ja, bei großen selten. Joomla 3 zu 5: Template-Neubau wahrscheinlich. Typo3 9 zu 13: ebenfalls.
Was ist mit meiner SEO?
Beim Update meist erhalten, wenn URLs gleich bleiben. Bei Migration oder Neubau braucht es saubere Weiterleitungen und SEO-Planung. Sonst verlieren Sie Rankings.
Sie wissen nicht, welche Option zu Ihrer Joomla- oder Typo3-Situation passt? Wir schauen es uns an und sagen Ihnen ehrlich, was sinnvoll ist. Jetzt Kontakt aufnehmen.