software-wartung24.de
· 6 Min. Lesezeit· Sandor Farkas

PHP-Upgrade: Was kostet es wirklich?

PHPModernisierungKosten

Ein PHP-Upgrade kostet zwischen 5.000 Euro für eine kleine, gut gepflegte Anwendung und 50.000 Euro oder mehr für eine große, gewachsene Plattform. Diese Spanne ist groß, aber ehrlich. Wer Ihnen einen Festpreis ohne Code-Analyse nennt, rät. Dieser Artikel erklärt, welche Faktoren den Preis treiben und wie Sie eine seriöse Schätzung erkennen.

Warum die Spanne so groß ist

Ein PHP-Upgrade ist nicht ein Vorgang. Es sind viele kleine Vorgänge. Die wichtigsten:

  • Inkompatibilitäten in der Sprache prüfen und beheben
  • Frameworks und Bibliotheken aktualisieren
  • Datenbank-Treiber und Extensions umstellen
  • Tests anpassen oder neu schreiben
  • Server-Umgebung aktualisieren
  • Deployment-Prozesse überarbeiten
  • Schulung und Dokumentation

Je nach Zustand der Anwendung kostet jeder Punkt unterschiedlich viel. Eine saubere Codebasis mit Tests: zwei Tage pro Punkt. Eine alte, undokumentierte Anwendung ohne Tests: zwei Wochen.

Die acht Kostenfaktoren

1. Ausgangs-PHP-Version

Der Sprung von PHP 7.4 auf 8.2 ist überschaubar. Der Sprung von PHP 5.6 auf 8.4 ist eine andere Welt. Zwischen diesen Versionen liegen Jahre an Sprachänderungen.

Faustregel: Jede übersprungene Major-Version verdoppelt den Aufwand. Mehr zu PHP-Versionen im Glossar.

2. Codegröße

Klar: Mehr Code, mehr Arbeit. Aber nicht linear. Eine 10.000-Zeilen-Anwendung schafft man oft schneller als zwei 5.000-Zeilen-Anwendungen, weil das Verständnis nur einmal aufgebaut werden muss.

Richtwerte:

  • Bis 10.000 Zeilen: 5.000 – 12.000 Euro
  • 10.000 bis 50.000 Zeilen: 12.000 – 30.000 Euro
  • 50.000 bis 200.000 Zeilen: 30.000 – 80.000 Euro
  • Mehr als 200.000 Zeilen: individuelle Schätzung

Diese Zahlen gelten für Anwendungen in mittlerem Zustand. Saubere Codebasen kosten weniger. Chaotische mehr.

3. Frameworks

Ein Framework kann freundlich oder feindlich sein.

Freundlich: Aktiv gepflegte Frameworks wie Symfony oder Laravel bieten klare Upgrade-Pfade. Migration ist Arbeit, aber dokumentiert.

Feindlich: Tote Frameworks wie CodeIgniter 2, FuelPHP oder eigene Konstrukte. Hier gibt es keine Anleitung. Oft ist Migration auf ein lebendiges Framework die einzige Lösung – was den Aufwand vervielfacht.

Mehr zu Frameworks im Glossar.

4. Tests

Tests sind der wichtigste Faktor, den die meisten Auftraggeber unterschätzen.

Mit guter Testabdeckung (über 70 Prozent): Sie wissen sofort, ob das Upgrade etwas kaputtgemacht hat. Fehler werden in Minuten gefunden.

Ohne Tests: Jede Anpassung ist Roulette. Bugs zeigen sich erst in der Produktion. Die Fehlersuche kann das Upgrade um Wochen verlängern.

Faustregel: Anwendungen ohne Tests sind 50–100 Prozent teurer im Upgrade. Manchmal lohnt es, vorher Tests zu schreiben.

5. Dependencies

Eine moderne PHP-Anwendung nutzt zwischen 30 und 200 externe Bibliotheken über Composer. Jede einzelne muss kompatibel sein.

Probleme entstehen, wenn:

  • Bibliotheken nicht mehr gepflegt werden
  • Mehrere Bibliotheken inkompatible Versionen fordern
  • Selbst gebaute Bibliotheken ohne klare Versionierung verwendet werden

Im schlimmsten Fall muss eine Bibliothek ersetzt werden. Das kann Tage oder Wochen kosten.

6. Datenbank-Schnittstellen

PHP hat seine Datenbank-Treiber mehrfach umgestellt. Wer noch mysql_*-Funktionen nutzt (das war PHP 4 und 5), muss auf mysqli oder PDO umstellen. Großer Eingriff, aber meist gut automatisierbar.

Auch andere Treiber haben sich verändert: PostgreSQL-Extensions, Oracle-Anbindung, LDAP. Jede Anpassung will geprüft sein.

7. Externe Schnittstellen

Schnittstellen zu Drittsystemen (Zahlungsdienstleister, Versanddienstleister, Buchhaltung) basieren oft auf älteren HTTP-Bibliotheken oder SOAP. Beim Upgrade müssen diese geprüft werden.

Auch SSL/TLS-Anforderungen ändern sich. PHP 8 verlangt strengere Verschlüsselung. Alte Webservices, die nur TLS 1.0 sprechen, funktionieren nicht mehr.

8. Deployment und Infrastruktur

Eine neue PHP-Version braucht meist eine aktualisierte Server-Umgebung. Webserver-Konfiguration, OPcache-Einstellungen, FPM-Pools, Docker-Images.

Wer noch von Hand auf den Produktionsserver deployed: Hier liegt zusätzlicher Aufwand. Wer ein gepflegtes CI/CD hat: hier ist es schnell erledigt.

Beispielrechnungen aus der Praxis

Fall A: Mittelständischer Onlineshop, PHP 7.4 auf 8.3. 25.000 Zeilen Code. Symfony 4. Solide Tests. Saubere Composer-Struktur. Aufwand: 4 Wochen. Kosten: 16.000 – 20.000 Euro.

Fall B: B2B-Plattform, PHP 5.6 auf 8.2. 80.000 Zeilen Code. Eigenes Framework von 2012. Keine Tests. 60 externe Bibliotheken, viele veraltet. Aufwand: 6 Monate. Kosten: 70.000 – 90.000 Euro. In diesem Fall war die Diskussion: Upgrade oder Neubau? Wir entschieden uns für ein gestaffeltes Modernisierungsprojekt.

Fall C: Internes Tool, PHP 7.2 auf 8.1. 8.000 Zeilen Code. Laravel 5. Wenig externe Abhängigkeiten. Keine Tests, aber kleine Codebasis. Aufwand: 2 Wochen. Kosten: 8.000 – 10.000 Euro.

Diese Fälle zeigen: Die Spanne ist nicht willkürlich. Sie spiegelt reale Unterschiede in Code und Komplexität wider.

Versteckte Kosten

Drei Punkte, die im Angebot oft fehlen:

Übergangsbetrieb. Während des Upgrades muss die alte Version weiterlaufen. Eventuell parallel zwei Umgebungen. Zusätzliche Hosting-Kosten für einige Monate.

Schulung. Wenn das Team weiter mit der Software arbeiten soll, braucht es Wissen über die neuen Versionen. Workshops, Dokumentation, Mentoring.

Folgeaufwand. Nach dem Upgrade fallen kleinere Bugs auf, die in der Testphase nicht entdeckt wurden. Planen Sie 10–15 Prozent des Projektvolumens für Nacharbeit ein.

Wie Sie ein gutes Angebot erkennen

Ein Audit vor dem Festpreis. Wer ohne Code-Analyse einen Preis nennt, rät.

Ehrliche Aufwandskategorien. Nicht ein Pauschalpreis, sondern Aufschlüsselung nach Modulen.

Klare Annahmen. Was ist im Preis enthalten, was nicht? Schulung? Hosting-Anpassung? Tests?

Realistische Zeitangaben. Wer "in zwei Wochen fertig" für eine 50.000-Zeilen-Anwendung verspricht, hat den Code nicht gesehen.

Eindeutige Vertragsbedingungen. Wer trägt das Risiko bei unerwarteten Problemen? Wer zahlt für Nacharbeit?

Misstrauen Sie pauschalen Werbeversprechen wie "PHP-Upgrade ab 999 Euro". Solche Angebote enden meistens teurer als seriöse Schätzungen.

Wann lohnt sich das Upgrade?

Immer, wenn:

  • Sie Sicherheitsupdates brauchen
  • Ihre Anwendung weiter wachsen soll
  • Sie Compliance-Anforderungen erfüllen müssen
  • Sie neue Mitarbeiter einarbeiten wollen
  • Ihre Hosting-Plattform alte PHP-Versionen abschaltet

Nicht oder erst später, wenn:

  • Die Anwendung in absehbarer Zeit abgelöst wird
  • Das Geschäft die Anwendung ohnehin nicht mehr braucht
  • Eine grundlegende Modernisierung sowieso geplant ist

Fazit

Ein PHP-Upgrade ist kein Pauschalprodukt. Es ist eine Sanierung. Die Kosten hängen vom Zustand der Substanz ab. Wer einen seriösen Partner sucht, sollte ein Audit verlangen – und Festpreise ohne Audit ablehnen.

FAQ

Kann ich das Upgrade in Etappen machen?

Ja. Oft ist das sogar sinnvoll. Erst auf 7.4, dann 8.0, dann 8.2. Jede Etappe ist kleiner und kontrollierbarer. Gesamtkosten meist ähnlich, aber das Risiko ist niedriger.

Was kostet ein Notfall-Upgrade?

Deutlich mehr. Wenn der Hoster den Stecker zieht oder eine Sicherheitslücke ausgenutzt wurde, sind Aufschläge von 50–100 Prozent normal. Planen Sie rechtzeitig.

Lohnt sich ein Festpreis?

Nur nach gründlichem Audit. Festpreise ohne Codekenntnis sind entweder zu hoch (Anbieter rechnet sich ab) oder zu niedrig (Anbieter macht später Nachforderungen).

Wie lange dauert ein typisches Upgrade?

Kleine Anwendung: 2–4 Wochen. Mittelgroße: 2–4 Monate. Große Plattform: 6–12 Monate. Diese Zahlen schließen Tests, Staging und Übergang ein.

Kann ich Förderungen bekommen?

Ja, in Deutschland gibt es Programme wie "Digital Jetzt" oder regionale Förderungen. Bis zu 50 Prozent Zuschuss sind möglich, mit Höchstgrenzen. Lohnt sich für KMU fast immer.


Sie wollen wissen, was Ihr PHP-Upgrade konkret kostet? Wir machen ein Audit und liefern eine ehrliche Schätzung mit klaren Annahmen. Jetzt Kontakt aufnehmen.

Bereit, Ihre Software in gute Hände zu geben?

Das Erstgespräch ist kostenlos und unverbindlich. Wir schauen uns an, was Sie haben, und sagen Ihnen ehrlich, was möglich ist.

Kostenlose Erstberatung anfragen →